
(CIS-intern) – Die Stadtwerke Flensburg wollen die Fernwärmeversorgung für ihre Kunden bis zum Jahr 2035 dekarbonisieren – vorausgesetzt alle technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind erfüllt. Dies basiert auf einem politischen Beschluss und erfordert umfangreiche Investitionen und Baumaßnahmen. Im Zuge des Komplett-Umbaus der Energieerzeugung müssen Fernwärmeleitungen erneuert sowie eine neue 110.000-Volt-Stromleitung (110 kV) zur Anbindung an das deutsche Stromnetz verlegt werden. Gleichzeitig müssen viele Kilometer Fernwärmeleitungen aufgrund ihres Alters ersetzt werden.
Großwärmepumpen als Herzstück der Transformation
Der zentrale Baustein der Dekarbonisierung der Fernwärmeerzeugung ist der vierstufige Transformationsplan der Stadtwerke Flensburg. Ein wichtiger Schritt darin ist der Bau einer neuen Großwärmepumpe, die im Herbst 2027 in Betrieb gehen soll. Mit einer Investitionssumme von rund 70 Mio. Euro ist sie Teil des ersten Maßnahmenpaketes, des Transformationsplans, dessen Gesamtvolumen etwa 400 Mio. Euro beträgt. Karsten Müller-Janßen, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg. „Wir liegen mit dem Bau der ersten Großwärmepumpe gut im Plan. Wir haben rund 188 Pfähle im doch sehr lockeren Untergrund verankert, um darauf das Fundament bauen zu können. Direkt im Anschluss an die Inbetriebnahme der ersten Großwärmepumpe ist der Bau einer Zweiten Anlage geplant. Dabei wollen wir soweit dies bei der Kürze der Zeit möglich ist die Erfahrungen aus dem Betrieb der ersten Anlage berücksichtigt.“
Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Das Funktionsprinzip einer Wärmepumpe ähnelt dem eines Kühlschranks – nur umgekehrt: Während ein Kühlschrank Wärme von innen nach außen abführt, entzieht eine Wärmepumpe ihrer Umgebung Wärme und gibt diese an das Heizsystem weiter.
In Flensburg nutzt die Wärmepumpe die Wärme des Flensburger Fördewassers. Mit Strom aus erneuerbaren Energien wird in einem mehrstufigen Prozess das Fernwärmewasser von 60 auf rund 95° C erhitzt. Diese Temperatur liegt unter der aktuellen Vorlauftemperatur und macht die Erneuerung einiger großer Fernwärmeleitungen notwendig.
Was passiert noch?
Die Stadtwerke Flensburg haben weitere Möglichkeiten für eine CO2-neutrale Wärmeproduktion untersucht. Die Solarthermie ist aktuell nicht wirtschaftlich, wird aber weiter geprüft. Die geplante Wärmepumpe „Hafen Ost“ kann aufgrund der unklaren Rahmenbedingungen nicht umgesetzt werden. Stattdessen wird das Abwärmepotential des Klärwerks untersucht.
Im Rahmen der Fortschreibung des Transformationsplans werden Geothermie, Abwärme, Wasserstoff- und Biomethaneinsatz weiter geprüft sowie Alternativszenarien zum Wasserstoff bewertet.
Andreas Weckesser, Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau bei den Stadtwerke Flensburg gibt einen Ausblick: „Unser Transformationsplan ist nicht festgeschrieben, sondern wir sind ständig dabei, ihn zu bewerten sowie Aktualisierungen und Optimierungen aus neuen technischen oder wirtschaftlichen Erkenntnissen einzuarbeiten. Insgesamt arbeiten wir gerade an der Erstellung des Transformationsplans 2.0, der die konkrete Ausgestaltung des zweiten Maßnahmenpaketes beinhaltet. Dazu zählt unter anderem die Vorplanung für die zweite Großwärmepumpe, aber auch die Prüfung von Alternativen dazu.“
Anpassungen im Fernwärmenetz
Um die neue Wärmepumpenanlage effizient und wirtschaftlich betreiben zu können, müssen Vorlauftemperaturen im Fernwärmenetz insgesamt gesenkt werden. Damit die Kunden dennoch ausreichend Wärme erhalten, muss mehr Fernwärmewasser mit niedriger Temperatur durch die Leitungen fließen, so dass die gelieferte Wärmemenge in Summe gleich bleibt.
Einige bestehende Leitungen sind dafür nicht ausgelegt. Besonders im Osten Flensburgs müssen sie daher durch neue Leitungen mit größerem Durchmesser ersetzt werden. Diese neuen Leitungen sind dann aber auch auf eine Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten ausgelegt.
Geplante Baumaßnahmen im Osten der Stadt (2026–2027):
Mürwiker Straße, insgesamt 928 m, Erhöhung Leitungsdurchmesser von 350 auf 400 mm:
Twedter Plack bis Solitüde,
Teilsperrung, Busse frei
ab 09/2025 bis
Am Lautrupsbach bis Am Volkspark
Vollsperrung ab 04/26 – 2027
Am Volkspark bis Jahnstraße,
einseitig frei für Verkehr geplant
Ab 2027
Marrensdamm (zwischen Kleine Lücke u. Marrensberg), 390 m, Erhöhung Leitungsdurchmesser von 65 auf 80 mm,
Vollsperrung ab 2026
Twedter Feld, 224 m, Leitungsdurchmesser von 125 auf 150 mm
Sünderuper Weg, 430 m, Leitungsdurchmesser von 125 auf 150 mm
Fördestraße, 322 m, Leitungsdurchmesser von 200 auf 300 mm
Versorgungssicherheit durch Substanzerhalt
Im Jahr 1969 haben die Stadtwerke Flensburg mit dem großflächigen Ausbau des Flensburger Fernwärmenetzes begonnen. Inzwischen haben einige Leitungen des rund 700 km langen Netzes ein Alter von mehreren Jahrzehnten erreicht und nähern sich dem Ende ihrer technischen Lebensdauer. Es können dann eher Schäden entstehen, die zu ungeplanten Versorgungsunterbrechungen führen können. Das wollen die Stadtwerke Flensburg vermeiden und ersetzen die alten Leitungen Schritt für Schritt durch Neue. Geplant ist jedes Jahr mehr als 1 % aller Fernwärme-Leitungen zu erneuen. In Kilometern sind es rund 12 pro Jahr. Da die Fernwärmeleitungen wie die Abwasserleitungen aufgrund ihres Durchmessers unter der Straße verlegt sind, führt die Sicherstellung der Versorgungssicherheit zu Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs.
Neubau einer 110.000-Volt-Stromleitung
Neben der Erneuerung der Fernwärmeleitungen führt auch der Neubau einer 110.000 Volt (110 kV) Stromleitung zu erhöhten Bautätigkeiten. Hintergrund ist unter anderem, dass die bisherige Hochvoltanbindung an das dänische Stromnetz nicht in der bisherigen Form weiterbetrieben wird. Zur Sicherstellung einer hohen Versorgungssicherheit ist daher ein Ersatz der dänischen Stromleitung erforderlich.
Zudem benötigen die Stadtwerke Flensburg für die neuen Großwärmepumpen im Flensburger Heizkraftwerk ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien. Dieser wird über die neue 110 kV-Leitung aus dem deutschen Stromnetz geliefert. Auch die stetig wachsende E-Mobilität erfordert eine leistungsfähige und nachhaltige Stromversorgung.
Die neue rund neun Kilometer lange 110 kV-Leitung verläuft vom neuen Umspannwerk auf dem Stadtwerke-Gelände über die Harrisleer Straße, die Harrisleer Umgehung und den Ochsenweg in Flensburg-Weiche bis zum Umspannwerk Weding. Die Bautätigkeit hat bereits an vielen Stellen begonnen, damit die neue Stromleitung bis Ende 2027 fertig wird. Dazu gibt es keine Alternative, denn ab dann steht die dänische Leitung nicht mehr zur Verfügung. Thomas Räther, Geschäftsbereichsleiter Energienetze bei den Stadtwerken Flensburg: „Wir haben unsere Bautätigkeiten jetzt noch weiter optimieren können. So haben wir jetzt doch nach vielen Gesprächen ein Unternehmen gefunden, dass unsere 110 kV- Leitung in der Harrisleer Straße im Bohrverfahren verlegen kann. Wir haben uns dazu trotz der höheren Kosten entschieden, das schneller geht und zu weniger Beeinträchtigungen führt. Aufgrund des starken Gefälles in der Harrisleer Straße ist das aber eine große Herausforderung.“
Rücksicht auf Anwohner und Verkehr
Den Stadtwerken Flensburg ist bewusst, dass die umfangreichen Bauarbeiten Beeinträchtigungen für die Anwohner und den Verkehr mit sich bringen. Um diese so gering wie möglich zu halten, werden folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Durchführung der Arbeiten in Teilabschnitten
- Halbseitige Sperrungen, wo es die Straßenbreite zulässt
- Vollsperrungen so kurz wie möglich
- Einsatz von Bohrverfahren zur Vermeidung offener Baugruben
- Beauftragung mehrerer Baufirmen mit eng getakteten Zeitplänen
- Nutzung eines detaillierten Verkehrszeitenplans
- Abstimmung mit anderen Baumaßnahmen (z. B. Abwasserleitungen)
- Frühzeitige Koordination mit Busunternehmen, Rettungsdiensten und Feuerwehr sowie Planung geeigneter Umleitungsstrecken
Information und Dialog
Da es zum Neubau der Leitungen keine Alternative gibt, setzen die Stadtwerke Flensburg auf umfassende und frühzeitige Kommunikation:
- Eine eigene Baustelleninformationsseite auf der Homepage der Stadtwerke
- Einbindung der Baustellen auf google maps
- Ergänzende Informationen über den Verkehrsticker des TBZ
- Direkte Anschreiben an betroffene Anwohner mit Ansprechpartnern
- Persönliche Gespräche mit Gewerbetreibenden
- Information und Dialogmöglichkeiten in den Stadtteilforen



