Am vergangenen Donnerstag hat der Kulturausschuss über die Vergabe der institutionellen Förderung für 22 Flensburger Kultureinrichtungen entschieden. Der Beschluss gilt für den Förderzeitraum 2027 bis 2030, also ganze vier Jahre. Trotz eines beantragten Zuschusses von rund 40.000 Euro geht das Freie Radio Fratz leer aus und wird vollständig aus der institutionellen Förderung gestrichen.
Nicht einmal ein Kompromissvorschlag des Linken Bündnisses, der eine Förderung in Höhe von 18.000 Euro vorsah, fand eine Mehrheit. Er wurde mit den Stimmen von SSW, SPD, CDU und HRT abgelehnt. Lediglich die Grünen stimmten dem Vorschlag zu.
„Diese Entscheidung bedeutet faktisch das Aus für das Freie Radio Fratz und ist zugleich ein großer Verlust für die freie Kulturszene in Flensburg“, erklärt der kulturpolitische Sprecher des Linken Bündnisses, Roald Christesen. „Das Freie Radio Fratz ist ein Ort für unabhängigen Journalismus, gesellschaftspolitische Themen und kulturelle Vielfalt. Mit seinen Bildungs- und Workshopangeboten bietet es Menschen die Möglichkeit, Medienkompetenz zu erwerben, und schafft eine Plattform für Subkultur und Stimmen, die in den etablierten Medien oft kaum Gehör finden.“
Bereits in der Vergangenheit sei die kritische und unabhängige Berichterstattung des Senders einzelnen Ratsfraktionen ein Dorn im Auge gewesen. So hatte die FDP bereits 2021 gefordert, dem Freien Radio die Fördermittel zu entziehen.
Ratsfrau Gabi Ritter kritisiert zudem das neue Verfahren zur Vergabe der institutionellen Kulturförderung: „Unsere Fraktion hat den Eindruck, dass sich zu viele Fraktionen in das neue Förderverfahren verliebt haben, ohne dessen Auswirkungen ausreichend zu hinterfragen. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob eine etablierte Kultureinrichtung mit hauptamtlichem Personal einen 30-seitigen Förderantrag erstellt oder eine kleine Einrichtung, die von zwei ehrenamtlich Engagierten getragen wird. Dieser strukturelle Unterschied wurde weder vom Kulturbüro noch von den anderen Fraktionen ausreichend berücksichtigt und gewürdigt. Wir brauchen ein Kulturbüro, das die Vielfalt unserer Kultureinrichtungen schützt und nicht deren Existenz in Frage stellt.“
Fraktionsvorsitzender Tjark Naujoks kündigt an, dass sich das Linke Bündnis mit der Entscheidung nicht abfinden werde: „Wir stehen mit dem Freien Radio Fratz im engen Austausch und arbeiten gemeinsam an Perspektiven für die Zukunft. Sein Verlust wäre ein herber Schlag für die kulturelle Vielfalt unserer Stadt. Deshalb werden wir das politisch herbeigeführte Aus nicht akzeptieren. Gemeinsam mit Partner*innen aus der Zivilgesellschaft werden wir in den kommenden Wochen Lösungen entwickeln und vorstellen. Unser Ziel ist klar: Das Freie Radio Fratz soll auch 2030 noch senden.“



