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Mietraum: Casino vor dem aus?

Autor: CIS am 19.12.2016

Rathaus von Westerland auf Sylt

Der altehrwürdigen Spielbank im Rathaus von Westerland auf Sylt stehen stürmische Zeiten bevor. Zum einen leidet die Wirtschaftlichkeit durch vermehrte Konkurrenz im Internet, zum anderen, und das ist das weit größere Problem, läuft der Mietvertrag im Rathaus am 31. Dezember 2018 aus. Die Inselverwaltung, die bisher teilweise in anderen Gebäuden untergebracht ist, benötigt den Mietraum. Die Geschäftsführung ist gegen eine Standortveränderung. Neue Konzepte sorgen für steigende Besucherzahlen und geben Grund zur Hoffnung.

Foto: Mario De Mattia

Ein Casino im Rathaus


Die nordfriesische Insel Sylt spielt schon seit über 100 Jahren für den Nordsee-Tourismus eine große Rolle. Vielfältige Kurangebote, eine beeindruckende Insellandschaft und die heilende Wirkung der Nordseeluft locken viele Touristen auch für mehrwöchige Aufenthalte nach Sylt. Speziell in der gehobenen Mittelschicht und in der Oberschicht galt und gilt die Insel auch heutzutage noch als „The place to be“. Ein entsprechendes Unterhaltungsprogramm gehört daher zur Grundausstattung.

Neben zahlreichen gastronomischen Highlights an exklusiven Standorten gründete sich am 04. Juni 1949 im Hauptort Westerland auch eine Spielbank. Schon das Äußere des Casinos ist die Reise wert. Es ist nämlich, und das ist einzigartig in Deutschland, im Alten Rathaus von Westerland untergebracht. Der sehr spezielle Untermieter im Gebäude der Inselverwaltung war und ist für die im Durchschnitt äußerst wohlhabenden Gäste der Insel ein perfektes Ambiente zum gehobenen Zeitvertreib.

Die Spielbank Sylt beherbergt in seinen Hallen unter anderem:
• Über 300 Glücksspielautomaten (auch Jackpot-Automaten)
• Multi-Roulette
• Amerikanisches Roulette
• Black Jack

Pokerangebote (regelmäßige Texas-Hold‘em-Turniere)

Der Dresscode in der Spielbank ist Semi-Formal, doch es stellt sich von Tag zu Tag mehr die Frage, wie lange die gutgekleideten Damen und Herren noch dem Spielvergnügen im Alten Rathaus nachgehen können. Der Mietvertrag der Spielbank endet nämlich am 31.12.2018 und bisher stehen die Chancen auf eine Verlängerung des Mietvertrages eher gering, da die Inselverwaltung den Platz für sich beansprucht.

Da Teile der Verwaltung in anderen Gebäuden im Bahnweg untergebracht sind, weil im Rathaus nicht genug Platz ist, ist dies ein nachvollziehbares Anliegen. Das altehrwürdige Casino gehört aber ebenso zum festen Inventar der Insel, ebenso wie die teuren Villen und guten Restaurants. Eine Schließung würde den Tourismus mindestens beeinträchtigen. Ein speziell für diesen Konfliktpunkt eingerichteter Arbeitskreis, dem alle Fraktionen der Gemeindevertretung angehören, diskutiert die Problematik des Themas. Zudem wird der Raumbedarf von externen Gutachtern bewertet.

„Ziel ist es ja, den Verwaltungsstandort Bahnweg an das Rathaus zu führen. Ob und gegebenenfalls wann welche Nachnutzung der Spielbank folgt, hängt vom unregelmäßig tagenden Arbeitskreis der Verwaltungszusammenlegung ab. Für welche Lösung sich die dort tätigen Gemeindevertreter am Ende entscheiden, ist völlig offen. Wir sind mitten im Prozess und bisher gibt es kein Zwischenergebnis“, sagte Bürgermeister Nikolas Häckel zu dem brisanten Thema.



Neue Herausforderungen

Dass die Ansichten der Casino-Vertreter und der Inselverwaltung sich unterscheiden, ist nicht überraschend. Der Kieler Geschäftsführer der Spielbank auf Sylt, Jürgen Kiehne, machte aber nochmal deutlich, dass die Spielbank ja schon seit rund 68 Jahren an diesem Standort existiere und sicherlich für die Tourismusentwicklung der Insel eine gewichtige Rolle spielte. Außerdem sei in den vergangenen Jahren viel Geld in die Attraktivitätssteigerung der Spielbank gesteckt worden, da die Gästeansprüche nicht geringer geworden seien.

Jürgen Kiehne verwies zurecht darauf, dass es nicht leicht sei, „die Wirtschaftlichkeit trotz starker saisonaler Einflüsse, wie sie Sylt sicherlich hat, sicherzustellen“. Dabei könnte der auslaufende Mietvertrag noch das am leichtesten zu lösende Problem werden. „Rein rechtlich wird Glücksspiel in Deutschland ab 2017 noch strenger reguliert“, erklärte ein Vertreter von besterbonus.de. Zudem bedroht deutschlandweit die stetig wachsende Konkurrenz im Internet durch die Online-Casinos die Besucherzahlen der Spielbanken.

Der Betreiber der Spielbank Sylt, die Spielbank Schleswig-Holstein GmbH, welche auch vier weitere Casinos in Lübeck, Kiel, Flensburg und Schenefeld betreibt, weist zusätzlich auf die ungewisse Zukunft der Mitarbeiter hin.

Ungewisse Zukunft

„Die Spielbank-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen sich große Sorgen um die Zukunft Ihrer Spielbank“, fasst eine Stellungnahme der Spielbank Sylt die Thematik zusammen. Im Casino des im 1896 erbauten Rathauses arbeiten immerhin 18 dauerhaft beschäftigte Mitarbeiter sowie zusätzliche Saisonkräfte. All diese Arbeitsplätze würden wegfallen.

Ebenso muss die wirtschaftliche Bedeutung der Spielbank für die Insel berücksichtigt werden. Neben den Mieteinnahmen im Rathaus sind vor allen Dingen die über 200.000 Euro hohen kommunalen Steuerabgaben elementar wichtige Gelder für den teuren Inselerhalt und -schutz.

Damit die teuren Abgaben überhaupt bezahlt werden können, muss die Spielbank selbstverständlich auch an die eigene Wirtschaftlichkeit denken. Um diese zu verbessern, wurden einige Neuerungen eingeführt, um zum einen die Stammgäste zu halten und zum anderen speziell neue Gäste anzulocken und das Etablissement attraktiver zu gestalten.

Besondere Veranstaltungen wie die „Gentlemans Night“ jeden Sonntag, der „Ladies Day“ am Mittwoch und die Piano-Abende am Freitag haben zu leichten Zuwächsen beim Umsatz geführt. „Unsere Gäste sind auch vom Barangebot und der Lounge sehr angetan“, erklärt der Casinodirektor Knut Pauker.

Die Besucherzahlen sind im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr um satte acht Prozent gestiegen und auch in diesem Jahr konnte in den ersten neun Monaten ein Besucherzuwachs von mehr als vier Prozent festgestellt werden. Er sei sehr zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung der altehrwürdigen Spielbank in Westerland, so Pauker und fügte an, dass das Casino nach wie vor eine unverzichtbare Bereicherung für die Insel und ihre Bewohner und Gäste sei.

Neuer Standort ist keine Alternative

Ein Standortwechsel auf der Insel ergibt aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten keinerlei Sinn, wie der Geschäftsführer Jürgen Kiehne erklärte. Die Konzession laufe 2026 aus und ein Standortwechsel ist vorrangig erstmal mit Investitionen verbunden. Rote Zahlen wären mit Gewissheit die Folge, sagte Kiehne. Die Bürger der Insel sind klar auf der Seite der Spielbank. Bürgervorsteher Peter Schnittgard bezeichnete das Etablissement im Rathaus als einen treuen Partner über Jahrzehnte hinweg. Sie sei eine der ältesten touristischen Merkmale der Gemeinde und bringe zudem einen großen finanziellen Anteil an der kostspieligen Inselverwaltung. Außerdem stünde das Rathaus unter Denkmalschutz und Umbauten der Spielbank in Büroräume wären sowieso nicht möglich, so Schnittgard. Es bleibt spannend.

PM: CIS


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