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EN GARDE - Die Story, Interview mit Ayse Polat



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Samsung P510 zum eplus-Aktionspreis! Kinostart am 9. Dezember 2004, u.a. in Flensburg und Husum

www.engarde-derfilm.de


Fotos / Texte: X-Verleih

 

 

 

 

 

EN GARDE - Filmstart am
9. Dezember 2004


En Garde
Ayse Polats EN GARDE wird am 9. Dezember 2004 in den deutschen Kinos starten. EN GARDE hat im Wettbewerb des Internationalen Film Festivals in Locarno Weltpremiere gefeiert und wurde mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet. Die beiden Hauptdarstellerinnen Maria Kwiatkowsky und Pinar Erincin erhielten außerdem gemeinsam den Leopard für die beste Darstellerin. Beim Filmfest Hamburg hat EN GARDE vor wenigen Tagen Deutschlandpremiere gefeiert.

Alice (Maria Kwiatkowsky) ist 16, als sie von ihrer Mutter in ein katholisches Erziehungsheim gesteckt wird. Sie unterscheidet sich sehr von den lauten, aufsässigen Mädchen dort - vor allem durch ihr hypersensibles Hörvermögen, durch das sie ihre Umwelt differenzierter, aber auch bedrohlicher wahrnimmt als die anderen. Das kurdische Mädchen Berivan (Pinar Erincin), das im Heim auf den positiven Bescheid ihres Asylantrages wartet, wirbt um Vertrauen der introvertierten Alice - und die beiden nähern sich an. Doch die Freundschaft droht zu zerbrechen, als Berivan sich in Ilir (Luk Piyes) verliebt. Plötzlich eskaliert die Situation im Heim auf dramatische Art und Weise...



En Garde

EN GARDE ist der zweite Film der deutsch-kurdischen Regisseurin Ayse Polat aus Hamburg. Ihr erster Spielfilm AUSLANDSTOURNEE lief bereits erfolgreich auf einigen wichtigen internationalen Festivals: u.a. Karlovy Vary 2000 (Wettbewerb), Tokio 2000, Hof 2000 und Ankara 2001 (Regie-Nachwuchspreis).

EN GARDE schildert die Freundschaft zweier ungleicher Mädchen; eine aufwühlende, sensibel erzählte Geschichte über Träume, Gefühle und Nähe, über das Erwachsenwerden und die Selbstbefreiung eines Menschen.

EN GARDE ist eine Produktion von X FILME in Koproduktion mit ZDF „Das kleine Fernsehspiel“, gefördert von der Filmförderung Hamburg, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und der Nordmedia.




 

INTERVIEW MIT AYSE POLAT


Die Geschichte von EN GARDE geht auf persönliche Erfahrungen zurück...
Ja, ich habe mit Mitte Zwanzig in einer Hamburger Begegnungsstätte für junge Frauen gejobbt. Meine Arbeit war die Betreuung dieser Mädchen, zum Beispiel bei schulischen Problemen. Während dieser Zeit bin ich auch Mädchen begegnet, die nicht mehr zu Hause wohnten, sondern in Heimen und Jugendwohngruppen. Einige waren
Flüchtlingskinder, andere so genannte „Sozialwaisen“ – die Eltern waren aus
verschiedenen Gründen unfähig, sich um ihre Kinder zu kümmern. Dadurch bekam ich
Zugang zu dieser Welt und zu den Dynamiken, die da stattfinden. Und so ist auch die
Idee zu EN GARDE entstanden. Von außen stellt man sich unter „Heimkindern“ immer
etwas Tragisches vor. Aber sie haben auch eine große Stärke, sind für ihr Alter oft reif
und erwachsen.

EN GARDE erzählt von zwei Mädchen, den Menschen ihrer näheren Umgebung, der Situation von Heimkindern; der Film handelt von Selbstentdeckung, dem „Coming of Age“ in einer ungewöhnlichen Form – er erzählt dabei auch eine Flüchtlingsgeschichte. Es geht um die Macht der Religion und deren Grenzen. Welche dieser verschiedenen Ebenen des Films stehen für Sie im Zentrum?
Die Entwicklung und Metamorphose der Hauptfigur Alice. Und damit die Befreiung aus
ihrer inneren Gefangenschaft. Anfangs hat sich Alice ganz zurückgezogen. Durch die
Begegnung mit dem kurdischen Flüchtlingsmädchen Berivan, die ganz anders lebt, durch die Nähe zu ihr beginnt Alice sich zu spüren und erkennt sich selber. Daraus
entwickelt sie den Drang sich zu verändern, bewegt sich langsam heraus aus ihren
inneren Zwängen. Letztendlich geht es hier um einen Abnabelungsprozess, wie ihn
genauso auch Männer erleben. Und um eine Form von Beziehungsunfähigkeit und
Verlustangst, die ganz allgemein ist, die in allen Schichten und Kulturen vorkommt.

Die Hauptfigur heißt Alice, so heißt auch das ursprüngliche Drehbuch. Man denkt da gleich an Filme wie Wenders' ALICE IN DEN STÄDTEN, Woody Allens ALICE, aber auch „Alice in Wonderland“...
Zunächst einmal finde ich den Namen schön. Mir ist aufgefallen, dass in Film und
Literatur der Name Alice sehr oft auftaucht. Ich verbinde mit dem Namen Alice einen
bestimmten Typ Frau: Kühl, distanziert und ein bisschen geheimnisvoll.

En Garde

Katholizismus spielt in EN GARDE eine wichtige Rolle. Es gibt die Figur der
Schwester Clara, die etwas Fanatisches, Bedrohliches, aber auch etwas
Fürsorgliches hat...
Schwester Clara ist einerseits verbittert und frustriert. Aber man merkt schnell, dass
sie in Alice eine Artgenossin entdeckt. Beide haben ein ähnliches emotionales
Innenleben. Im Gegensatz zu Alice hat Clara sich nicht wandeln können, sondern ihre
Zuflucht in der Religion gesucht. Ich habe sie mir immer vorgestellt als das, was aus
Alice werden könnte, wenn sie keine Entwicklung erfahren würde.
Was mich am Katholizismus immer fasziniert hat ist die Möglichkeit des Beichtens und
in der Folge das Konzept des Verzeihens. Auch Alice lernt zu verzeihen.

Im Zuge meiner Recherchen habe ich begriffen, dass der Umgang in katholischen
Schwesternheimen ein ganz anderer ist als anderenorts. Es scheint da ein stärkeres
Gefühl von Geborgenheit zu geben.

Fortsetzung oben rechts



EN GARDE...
ANMERKUNGEN VON Regisseurin AYSE POLAT


Die Idee zum Film entstand durch die Begegnung mit Heimmädchen bei meiner Arbeit
in einem internationalen Kulturzentrum für Mädchen und Frauen. Ich habe dort viele
Mädchen kennen gelernt, die in Heimen oder Jugendwohngruppen groß geworden
sind. Mir fiel auf, dass Freundschaften für sie heilig sind, da sie ihre Familien ersetzen,
die sie – unfreiwillig oder freiwillig – verloren haben. Auf der einen Seite finden sie
Halt und Geborgenheit in der Freundschaft, aber gleichzeitig überschattet die Angst
vor einem erneuten Verlassen-Werden jede Beziehung. Ein Teil dieser Unfähigkeit zur
Nähe, die eine innere Zerrissenheit zum Vorschein bringt, ist in jedem von uns.
Die Begegnung mit den Mädchen hat mich sehr berührt, weil ihre Sehnsüchte und
Konflikte, die sie durchleben, unsere eigenen auf den Punkt bringen.
Je fremdartiger unser Gegenüber ist, desto mehr wird uns der Einblick in uns selbst
gewährt.

En Garde






Fortsetzung Interview mit Ayse Polat

Sind Sie selbst religiös?
Ich bin Alevitin. Der Alevitismus ist eine philosophische und liberale Form des Islams.
Wenn ich meine Identität bestimmen soll, dann spielt das eine Rolle. Aber ich bete
nicht.

Auch die Nebenfiguren stehen für bestimmte Haltungen: Es gibt die zwei Mädchen, die mit Alice im Zimmer wohnen. Sie sind das Gegenteil der katholischen Heimschwestern, „sündig“, verführerisch, böse, fast wie
moderne Hexen...

Ich mag die beiden Figuren – besonders die Josefine – sehr gern. Sie sind das
Gegenteil von Schwester Clara, triebhaft und exzessiv.

EN GARDE ist eine Geschichte über zwei Mädchen, sie ist auch hauptsächlich
von Frauen gemacht. Inwiefern ist dies ein Film, den ein Mann nicht hätte
machen können?

Ich glaube, dass es einen „weiblichen Blick“ gibt, der sich von dem eines Mannes
unterscheidet. Man erkennt ja meistens, ob ein Film von einer Frau oder einem Mann
gemacht wurde. Das merkt man auch hier, und das gefällt mir.

Was bedeutet das für Sie, ein „weiblicher Blick“?
Der Umgang mit Gewalt ist anders, mehr nach innen als nach außen gerichtet. Auch
der Umgang mit dem Körper und mit Beziehungen unterscheidet sich. Männer sehen
Frauen oft als Heilige und Huren, als Wesen, die sich aufopfern und bis zur
Selbstauflösung alles machen – man braucht nur an Lars von Triers Filme zu denken.
Das sind Vorstellungen, die nichts mit der Realität zu tun haben.
Der „weibliche Blick“ ist das Entheiligen dieses Heiligen, das Wissen, dass es auch
etwas dazwischen gibt, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Die Darstellung von
Frauen ist oftmals vielschichtiger und komplexer. Wir skizzieren auch das andere
Geschlecht facettenreicher. Gute Beispiele sind die Filme von Jane Campion und
Agnes Varda.

Haben Sie andere Regie-Vorbilder?
Ich mag Antonioni und Cassavettes sehr, auch Haneke, bestimmte Filme von David
Lynch, besonders LOST HIGHWAY, ich mag z.B. 2001 SPACE ODYSSEY. Ich liebe
Filme, die versuchen, das Unbewusste zu visualisieren, die Mut zur Fantasie haben.
Dagegen habe ich Schwierigkeiten mit Filmen, die den Zuschauer zum Realismus
zwingen wollen, die eine Art Moralismus der Realität entwickeln. Ich denke, man
nähert sich der Wahrheit nicht über schlichte Realität, sondern über Umwege.

Welche Überlegungen haben den Stil bei EN GARDE bestimmt, seinen „Look“?
Meinem Kameramann Patrick Orth und mir war die Wachheit wichtig, Helligkeit. Die
Frage war, wie man das extreme Hören von Alice visualisiert. Die Bilder sollten eine
gewisse übernatürliche Schärfe bekommen. Darum haben wir mit UltraPrimes
gearbeitet, das sind Optiken mit einer hohen Trennschärfe, die zu einer gewissen
visuellen Härte führen. Die Stimmung sollte auch keinesfalls düster sein, wie es das
Klischee der „Heimfilme“ vielleicht verlangt. Der Zuschauer sollte sich unbewusst an
das Gefühl erinnern, das man hat, wenn man im Sommer in der Hitze steht. Wenn die
Helligkeit störend ist, weh tut.
Zudem wollte ich möglichst nahe ran an die Figuren, ohne dass es zum modischen
Gebrauch der Handkamera kommt. Hinzu kommt die Trickebene, die die Innenwelt
der Hauptfiguren wiedergibt.

Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?
Wir haben vier Wochen geprobt. Die beiden Hauptdarstellerinnen sind Newcomer,
daher war eine ausführliche Vorbereitung für sie hilfreich, um ein Gefühl für die
Kamera zu bekommen. Wir haben gemeinsam erst zwei Wochen am Drehbuch
gearbeitet, dann zwei Wochen an den Schauplätzen. Bereits die Arbeit am Drehbauch war sehr intensiv. Ich hatte X-Filme zwar ein fertiges Drehbuch eingesandt, aber wir haben dann noch an dem Stoff gearbeitet. Meine Produzentin bei X Filme, Maria Köpf,
war eine sehr gute Dramaturgin. Im Vergleich zur Urfassung ist die Grundidee im
Wesentlichen geblieben, wir haben sie nur noch verbessert. Die stärksten
Veränderungen kamen eigentlich mit den Dreharbeiten, als es ganz konkret wurde.

Sie haben keine Ausbildung an einer Filmhochschule gemacht. Wie kamen sie
überhaupt zum Filmemachen?

Filmhochschulen sind natürlich nützliche Kontaktbörsen. Trotzdem habe ich nicht den
Eindruck, dass es mir geschadet hat, nie an einer Filmhochschule gewesen zu sein.
Ich habe an der Universität Philosophie und Kulturwissenschaften studiert und
begonnen, kleine Filme zu drehen. Von Anfang an habe ich mit Fördermitteln gedreht
– daher wusste ich immer, was es bedeutet, mit Geld zu arbeiten. Das Handwerk
kann man auch anders lernen. Gelebt habe ich von Jobs, als Autorenfilmemacherin
lernt man ja, von sehr wenig Geld zu leben.

Worum ging es in ihren früheren Filmen?
Das Gemeinsame an meinen vorherigen Filmen ist vielleicht, dass es sich um Parabeln
über die Freiheit handelt. Meine Kurzfilme sind in sich allerdings sehr verschieden, es
war eine Zeit des Ausprobierens. EIN FEST FÜR BEYHAN war ein längerer Kurzfilm
über ein kurdisches Mädchen, das von zu Hause abhaut. GRÄFIN SOPHIA HATUN
handelt von einem überlieferten Fall einer Adeligen, die im 18. Jahrhundert viele Jahre
von ihrem Ehemann gefangen gehalten wird. Einer ihrer Bediensteten war Türke. Mit
AUSLANDSTOURNEE, einem Roadmovie, habe ich schließlich meinen ersten Langfilm
realisiert. Die Geschichte handelt von dem 42-jährigen schwulen türkischen
Schlagersänger Zeki, der sich mit der 11-jährigen Senay, der Tochter eines
verstorbenen Kollegen, auf die Reise begibt. Die Reise auf der Suche nach Senays
verschollener Mutter lässt Zeki mit seiner Vergangenheit abrechnen, während sie
Senay in die Erwachsenenwelt einführt.
Danach habe ich an meinem neuen Drehbuch gearbeitet und das fertige Buch
schließlich an X-Filme geschickt. Ich wusste, dass wenn sich eine so große
Produktionsfirma für das Buch interessieren würde, sie es wirklich ernst meinen.
Daraus wurde eine sehr gute Zusammenarbeit mit Maria Köpf, die Lust auf mehr macht. Man lernt ja bei jedem Film etwas dazu und will das dann auch umsetzen.
Mittlerweile sitze ich auch schon wieder an zwei Projekten.

Sie haben sich eben eine Autorenfilmerin genannt. Wofür steht für Sie dieser Begriff?
Der Begriff des Autorenfilms war leider einige Zeit lang sehr negativ besetzt. Für mich
steht dieser Begriff für die beste Tradition des Filmemachens. Er steht dafür, Stoffe
mit einer eigenen Handschrift zu erzählen, aus einem Blickwinkel, der nicht durch
Formeln wie „Verdaulichkeit“ und „Zielgruppenorientierung“ bestimmt und verfälscht ist. Einige Zeit lang war es ja auch Mode, nach bestimmten Plotgesetzen zu erzählen.
Was dagegen den Autorenfilm ausmacht, ist, dass sich die Form aus der Geschichte
ergibt.






meyer.moser hat den Soundtrack zu En Garde geschrieben



(Noch ist der Soundtrack zu >En Garde nicht auf dem Markt, aber moser.meyer schrieb auch die Musik zu alaska.de)



Watching the daybreak

Watching the Daybreak von meyer.moser


Alaska.de

alaska.de - Soundtrack von meyer.moser


Alaska.de

alaska.de - DVD



alaska.de: German Film Awards 2001 for Best Direction & Best Editng, Best Film Score (ex aequo) from the Society of German Film Critics 2002




Die Darsteller:


Alice
Maria Kwiatkowsky

Berivan
Pinar Erincin

Ilir
Luk Piyes

Alices Mutter
Antje Westermann

Schwester Clara
Geno Lechner

Martha
Julia Mahnecke

Josefine
Jytte-Merle Böhrnsen

Anwältin
Teresa Harder


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